Mitgliederversammlung mit Vortrag Dr. Zekorn

Freitag, 8.4.2022: Mitgliederversammlung mit Vortrag von Dr. Andreas Zekorn: Misshandlung und Deportierung in die Vernichtung – Die gerichtliche Aufarbeitung der an den hohenzollerischen Juden begangenen Verbrechen in der Nachkriegszeit.

Am 18. April 1947 waren bei der Staatsanwaltschaft Hechingen sieben Strafsachen wegen Ausschreitungen gegen Juden und jüdisches Eigentum während der Zeit des nationalsozialistischen Unrechtsregimes im damaligen Landkreis Hechingen anhängig. Die Aufarbeitung der regionalen Verbrechen, die während der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft begangen wurden, waren durch deutsche oder – in unserer Region – französische gerichtliche Instanzen in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis etwa zum Jahre 1950 lange Zeit kaum Gegenstand wissenschaftlicher Aufarbeitung sei es durch Historiker, sei es durch Juristen nicht nur im Gebiet der früheren Landkreise Balingen und Hechingen. Mittlerweile erfuhr die jurisdiktionelle Aufarbeitung ein erhöhtes Interesse. So wurde gerade der Prozess gegen den Hechinger Landrat Paul Schraermeyer in der überregionalen Forschungsliteratur relativ intensiv untersucht, wobei allerdings der regionale Bezugsrahmen meist ausgeblendet wurde. Der Vortrag behandelt exemplarisch und vergleichend die Prozesse gegen den Hechinger Landrat Paul Schraermeyer in Zusammenhang mit den Judendeportationen in Hohenzollern 1941/42 sowie gegen Josef Kronenbitter und weitere Straftäter im Zusammenhang mit den 1939 in Haigerloch nach dem Hitlerattentat begangenen Misshandlung von Haigerlocher Juden. Bemerkenswert sind in beiden Fällen die durch das Landgericht Hechingen 1947 unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Alexander von Normann auf der Grundlage des Kontrollratsgesetzes Nr. 10 ergangenen Urteile, in denen die Verbrechen historisch und juristisch aufgearbeitet wurden und die zu einer Verurteilung der Angeklagten zu Haftstrafen führten. In beiden Fällen verwarf 1948 der Strafsenat des Oberlandesgerichts Tübingen unter Vorsitz des Oberlandesgerichtspräsidenten Prof. Dr. Emil Niethammer in den Revisionsverfahren die Hechinger Urteile auf der Grundlage des deutschen Strafgesetzbuches. Dies führte im Falle Schraermeyrs zu einem Freispruch und in den anderen Fällen zu einer wesentlichen Abmilderung der Urteile.

18.00 Uhr, Albstadt-Lautlingen, Sport- und Festhalle, Mühlgasse 14. Eintritt frei. 

Zutritt mit 2 G-Nachweis (geimpft oder genesen) bzw. es gelten die aktuellen Coronabestimmungen.

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